Körpersprache und Sprachgestaltung

Als der und jener scheint zwar jeder schon da, aber keiner ist was er meint. Erst recht nicht, was er darstellt    

                              (Ernst Bloch - Spuren)

Toni Gruber im Studio der Bayerischen Staatsoper
Toni Gruber im Studio der Bayerischen Staatsoper

Körpersprache zeigt sich in größtenteils unbewußten Verhaltens-Gewohnheiten. Wir können gar nicht anders, als uns nach außen so zu geben wie wir eben sind.  Authentisch ist aber nicht immer gut. Wir fühlen uns unwohl, wenn wir in Verhaltensmustern stecken bleiben, die den eigenen Anforderungen an die berufliche Situation und Rolle nicht gerecht werden.

Kursformat Körpersprache und Sprachgestaltung:

Am besten Life aber auch über Video Telefonie mit je 2 Studierenden werden Grundlagen der Nonverbalen Kommunikation erfahrbar gemacht und geübt. Das Verfahren hat sich bereits mit Schauspielstudierenden an der Bayerischen Theaterakademie bewährt.

 

Grundkurs nonverbale Kommunikation: 

Im Kommunikationstraining werden zunächst die prosodischen Mittel isoliert und kombiniert auf ihre Ausdruckmöglichkeiten hin untersucht. Die prosodischen Mittel transportieren Haltungssteigerung, Haltungsverkleinerung oder plötzliche Haltungswechsel. Durch ihre stete Veränderung begibt sich der Sprechende auf eine Reise von inneren Haltungswechseln, Emotionssteigerungen oder Minderungen, Wechseln von Atmosphären und Stimmungen. Sie sind Basis für ein theatrales und erlebensverdichtetes Sprechen. Wir üben zunächst inwieweit Studierende vorgegebene Parameter des Körpersprechverhaltens glaubwürdig mit inneren Haltungen motivieren können. In einem weiteren Schritt üben wir, inwieweit sich Studierende durch Veränderung der äußeren Kommunikationsmittel in eine Vielfalt von Haltungen „hineinimprovisieren“ können, so dass letztendlich nichts ohne eine innere Haltung gesagt wird. Geübt werden auch kongruentes und inkongruentes Körper-Sprechverhalten bezüglich ihrer Wirkung. Ein weiteres Ziel ist es sich durch die Magie der rhetorischen- nonverbalen Mittel so interessant zu machen, dass der Zuhörer unabhängig von der Qualität des Sprechinhaltes im aufmerksamen Zuhören verbleibt. Dabei verwenden wir zunächst keine vorgegebenen Texte sondern die Spontansprache als "das was mir gerade in den Sinn kommt“ 

 

Nonverbale Kommunikation (verkürzte Beschreibung)

Die nonverbale Kommunikation bezieht sich auf die visuellen Kommunikationsmittel der „Körpersprache“, wie auch auf die auditiven Kommunikationsmittel der  „Prosodie“. In der Bühnen-Kommunikation findet beides mehr oder weniger gleichzeitig statt. Die Beschreibung aller nonverbalen Kommunikationsparameter kann man sich am besten als eine mehrstimmige Partitur vorstellen.

 

Die „Prosodie“ betrifft den "auditiv-musikalischen" Aspekt der Sprache. Ihre wesentlichen Parameter sind: 

  • Sprechtempo von langsam über  rasch bis zur Grenze der Artikulationsfähigkeit (accelerando - ritardando Sprechen)
  • Tonhöhe (vom monotonen Sprechen bis zum Singsang-Sprechen mit extremen Tonhöhenunterschieden, was löst das beim Hörer aus?)
  • Klangfarbe (vom hauchig-weichen Sprechen bis zum kehlig-harten Klang der Sprechstimme
  • Lautstärke (von leise bis laut. Wieviele Emotionen kannst Du durch Sprechdynamik motivieren? Muß laut immer aggressiv sein oder kannst du damit auch Begeisterung ausdrücken? usw.
  • Sprechfluß (legato-Sprechen) und stockende Sprache/Sprechstau (staccato-Sprechen) hinsichtlich Souveränität bzw. Not der Sprechfigur

 

 

Die „Körpersprache“ betrifft die visuellen Kommunikationsmittel der Nonverbalen Kommunikation. 

  • Körperliche Betonungen zur Unterstreichung von Sprechbetonungen
  • Der „fahrige“ Körpergestus als eine Form der Inkongruenz von Sprech-Körperkommunikation
  • „Erst die Bewegung, dann der Text“: Das Setzen von Bedeutung durch Trennen von Geste und Text
  • Reduzierte und überbordende Körpersprache als Zeichen von Impulsivität und Impulskontrolliertheit (hinsichtlich kindlicher und erwachsener, naiver oder intellektueller Wirkung)
  • Kongruenz als langsam-bedächtiges Sprechen bei langsam-bedächtigem Körperverhalten
  • Inkongruenz zeigt Widersprüchlichkeiten. Es ist eine besondere Herausforderung für Übende, wenn z.B. ein kraftloses, langsames und bedächtiges Körperverhalten mit einem extrem raschen und lauten Sprechverhalten zusammenfallen. Extreme Inkongruenz im Körpersprechverhalten ist    technisch schwieriger herzustellen als Kongruenz aber besonders geeignet für die virtuose Darstellung tragisch-komischer Figuren, bei denen Wollen und Können weit auseinander klaffen.

 

Aufgabenstellung:

Im Grundkurs Nonverbale Kommunikation werden zunächst die akustisch-visuellen Ausdrucksmittel spielerisch erkundet. Ziel ist es, sie zuletzt sinnbildend in die Gestaltung kurzer Proastexte oder Lyrik mit hoher Handlungsdichte zu verwenden. Herausfordernde Texte sind hierbei Kurzlyrik oder Prosapassagen, in denen ein:e Sprecher:in mehrere Figuren mithilfe verschiedener Stimmgebungen auftreten lassen muss (Wer spricht gerade?) und dabei nonverbale Mittel einsetzt, um direkte Rede, inneren Monolog und Erzählung voneinander ab zu grenzen.